Israel und Palästina I

19 03 2009

Ja, wo war ich eigentlich? Israel und Palästina? Israel und die (besetzten) Palästinensergebiete? oder einfach Israel? oder gleich im Heiligen Land? Die Komplexität des Nahostkonflikts fängt schon bei der Namensgebung bzw. dem “wording” an. Ob man nämlich die israelischen Siedlungen in Ostjerusalem als “Settlements” oder (auf CNN) als “Jewish neighborhoods on the outskirts of Jerusalem” bezeichnet, macht wenn mans genau nimmt schon einen gehörigen Unterschied und lässt einiges darüber erkennen, wo die eigene Meinung zu dem Konflikt steht. Ich nenne die Palästinensergebiete aber Palästina, und zwar nicht nur aus Sympathie mit den Palästinensern, sondern einfach aus Optimismus, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist bis der Name “Palästina” wieder neben “Israel” ganz offiziell auf der Landkarte stehen wird.

Aber eigentlich soll das ja nur ein kleiner Bericht über meine zweiwöchige Reise sein.

Die Abreise hatte es schon mal in sich. Am Flughafen in Mailand wurde ich von den freundlichen Securities als Staatsfeind Nr. 1 ausgewählt und musste vor dem Abflug fast 2 Stunden lang abwechselnd alle möglichen (und unmöglichen) Fragen beantworten und warten bis mein Gepäck aufs gründlichste durchsucht wurde. Den Flug hab ich dann noch erwischt weil ich von einer extra für mich abkommandierten Mitarbeiterin von El-Al (der israelischen Fluglinie) quer durch den Flughafen zum Gate gebracht wurde.
Als ich dann mit ein wenig Verspätung in Tel Aviv gelandet bin, hat der Shabat auch schon begonnen (mit Sonnenuntergang gehts los). Mein Onkel und meine Tante, die in Kfar Saba in der Nähe von Tel Aviv leben, haben mich vom Flughafen abgeholt und wir haben einen gemütlichen Abend verbracht.

Die ersten paar Tage habe ich dann bei den beiden in Kfar Saba verbracht, und von dort aus haben wir gemeinsam ein paar Ausflüge gemacht. Ins Tel Aviv Museum of Art, ins Diaspora Museum (sehr empfehlenswert), und zu einer römischen Ausgrabung in Cesarea. Und hier auch gleich mal die ersten Fotos:

Cesarea

Niko in Cesarea

Dann sind wir gemeinsam nach Jerusalem gefahren, wo wir uns das Israel-Museum und die Innenstadt angesehen haben. Ich bin dann gleich dort geblieben, und bin bei Shira, einer Freundin von Vinzent (ehemaliger Gedenkdiener in Akko), untergekommen. Das heißt ich hab in der schönsten Wohngegend Jerusalems gewohnt (gleich neben Benjamin “Bibi” Netanyahu und down the street vom Präsidentenpalast.).

Am nächsten Tag hab ich dann die Antonia Schenkenfelder im Österreichischen Hospiz besucht, wo sie jetzt ein halbes Jahr als Freiwillige gearbeitet hat. Ich war ganz hin und weg weil es so schön ist dort, es ist ein kleines Paradies inmitten der viel zu überbevölkerten Innenstadt.  Wie es sich gehört hab ich dort Schnitzel gegessen, eine Melange getrunken und dann noch einen Apfelstrudel verdrückt. Der Blick von der Dachterasse ist der Hammer:

Jerusalem

Und gleich noch ein Foto von der Klagemauer – auch nicht so aufregend wie man sich das vorstellt. Bemerkenswert ist auch die Trennung von Mann und Frau an der Mauer. (Rechts die Frauen, links die Männer, dazwischen eine Trennwand)

Klagemauer

Mit der Antonia hab ich dann noch einen Spaziergang über die Dächer gemacht, und dann hab ich mich mit meinen beiden Gedenkdienstkollegen Aaron und Philipp am jüdischen Markt (“Shuk”) getroffen. Aaron ist einer der Gedenkdiener im Yad Vashem (Holocaust-Memorial/Museum), und Philipp ist Gedenkdiener in London (den hab ich letztes Jahr besucht, siehe Blog-Eintrag), der auch zufällig grad in Israel war.  Der Shuk ist wirklich ein Erlebnis, er ist recht unscheinbar, aber sehr verzweigt und relativ groß. Und die Verkäufer schreien, da ist der Hamburger Fischmarkt nichts dagegen.

Shuk

Am Donnerstag hab ich dann mit ICAHD (Israeli Committee Against House Demolitions) eine “Alternative Tour” durch Ostjerusalem und zu einer jüdischen Siedlung gemacht. Wir sind mit einem Kleinbus zu verschiedenen Orten gefahren, anhand denen uns eine ICAHD-Mitarbeiterin die vielen Probleme des Nahostkonflikts erklärt hat.
Die Tour hat uns unter anderem auch zur Trennungsmauer (grob gesagt) zwischen West Bank und Israel geführt. Sie ist voll mit Slogans und Sprüchen wie diesem hier:

Mauer

Am Abend bin ich dann mit dem Bus nach Masada gefahren. Masada ist eine Bergfestung, in die sich am Ende des jüdischen Aufstands (gegen die Römer, ca. 70 a.d.) 960 Juden zurückgezogen haben. Sie wurden aber von den Römern belagert und entschieden sich in der aussichtslosen Lage, lieber als freie Menschen zu sterben als den Römern in die Hände zu fallen – also Massenselbstmord.

Masada
In Masada (genau genommen unterhalb, am Fuß des Berges) hab ich mich mit Philipp und Aaron getroffen, die schon am Nachmittag gekommen sind. Wir hatten Zelt und Schlafsack dabei um in der Wüstenlandschaft zu übernachten, und wie es der Zufall so will, finden wir gleich in der Nähe unseres Zeltes ein fertiges Lagerfeuer (mit Holz! eine Seltenheit in diesem Gebiet). Da hatten wir dann eine Freude daran. Es war ein richtig schöner, idyllischer Abend.

Lagerfeuer

Am nächsten Tag hat uns der Wecker um 4:15 aus dem Schlaf gerissen, denn wir wollten nicht nur nach Masada rauf, sondern auch noch schneller als die Sonne sein! Der Weg, der nach oben führt, heißt “Snake Path”, und wird vom jüdischen Historiker Josephus Falvius so beschrieben: “…and he that would walk along it must first go on one leg and then on the other; there is also nothing but destruction in case your feet slip, for on each side there is a vastly deep chasm and precipice, sufficient to quell the courage of anybody by the terror it infuses into the mind.”
So schlimm wars dann aber nicht ;)
Um viertel vor 6 sind wir dann schweißgebadet oben angekommen, pünktlich für den Sonnenaufgang, der dann natürlich umso schöner war:

Sonnenaufgang

Morgensonne

Das improvisierte Frühstück bestand aus Wasser, Datteln und einem Granatapfel. Nach einem Rundgang durch die ehemalige Festung gings dann auch schon wieder runter und mit dem nächsten Bus weiter nach Ein Gedi ans Tote Meer. Die Erklärung erspar ich mir, aber das obligate Bild muss sein :-)

Niko im Toten Meer

Danach sind wir noch in den Naturpark Ein Gedi gewandert, wo es sehr schöne Wasserfälle gibt.

Ein Gedi

Rechtzeitig vor Shabat-Beginn mussten wir wieder nach Jerusalem zurück, denn am Shabat fahren bekanntlich keine Busse.

fortsetzung folgt…


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