Am Freitag Nachmittag sind wir müde aber glücklich wieder in Jerusalem angekommen. Am Abend waren wir drei bei einer Kollegin von Aaron, einer sehr netten älteren Dame namens Rivka, zum Shabat-Mahl eingeladen. Das war eine interessante Erfahrung, inklusive Gebet und Zeremonie, koscheres Essen, und sogar koscher Abwaschen! (ein Schwamm für Fleisch-Geschirr, einer für Milch-Geschirr) Rivka sammelt Kochbücher, und da war es dann eine besondere Ehre, als sie mir ein Kochbuch (mit südafrikanisch-jüdischen Gerichten) aus ihrer Sammlung geschenkt hat.
Der Samstag hat mir dann nicht sehr viele Möglichkeiten gelassen, weil da grundsätzlich nicht viel los ist in Jerusalem. Busse in die Westbank, die von Arabern betrieben werden, fahren aber trotzdem, also bin ich nach Bethlehem gefahren. Dort wurde ich von einem jungen Fremdenführer angesprochen, den ich eigentlich gleich wieder abwimmeln wollte – aber irgendwie habe ich mich doch überreden lassen, eine kleine Tour zu machen. Dass mich die ganzen Kirchen und anderen künstlichen Touristenfallen nicht besonders interessieren, hat er schnell gemerkt, stattdessen hat er mir vom Leben in der Westbank erzählt, und das hat mich schon mehr interessiert.
Sonntag und Montag war ich beide Tage im Yad Vashem (Holocaust-Gedenkstätte & Museum). Ich hab mir gleich zwei Tage dafür Zeit genommen, damit ich mir in Ruhe alles ansehen konnte. Es war natürlich sehr beeindruckend und interessant. Ich hab auch Aaron und Clara, die dort Gedenkdienst machen, an ihrem Arbeitsplatz besucht.
Am Dienstag hab ich Jerusalem schließlich schweren Herzens verlassen und bin nach Haifa gefahren, wo ich ein wenig außerhalb bei einem Couchsurfer untergekommen bin. Am Dienstag Abend waren wir noch im Zentrum Haifas, wo unter anderem der Bahai-Garten liegt, einer der heiligsten Orte für die Bahai-Religion. Wundert mich nicht dass er heilig ist, schön ist er nämlich sehr:

Am Mittwoch haben Dimago (mein Gastgeber) und ich Akko besucht, eine alte Hafenstadt mit vielen Ausgrabungen, an der einst schon Napoleon gescheitert ist.

In Akko haben wir zu Mittag Hummus gegessen. Den meisten von uns ist Hummus als Brotaufstrich bzw. Beilage bekannt, aber dort war es eine Hauptmahlzeit. Ein Suppenteller voll Hummus, in Öl schwimmend, mit Pita dazu – basta! Dimago war zwar begeistert, ich hatte aber bald genug davon…
Am Nachmittag hab ich einen langen und schönen Strandspaziergang gemacht, zum Baden war es mir ein bisschen zu kalt.

Donnerstag Morgen hab ich schon wieder meine sieben Sachen gepackt und bin wieder Richtung Akko aufgebrochen, diesmal aber nicht in die Stadt sondern etwas außerhalb in den Kibbuz Lohamei HaGetaot, den “Ghettofigthers’ Kibbuz“, wo bis vor kurzem noch der Vinzent, ein Gedenkdiener, gearbeitet hat. Dieser Kibbuz wurde von Holocaust-Überlebenden gegründet, die dort auch das “Ghettofighter Museum” gestaltet haben, um ihre Geschichte und die des Widerstands im Holocaust zu erzählen. Obwohl Vinzent nicht mehr dort ist, hat für mich mit seiner ehemaligen Kollegin Deborah Kontakt hergestellt, die sich dann für mich Zeit genommen hat um mir das Museum und den Kibbuz zu zeigen.
Am späten Nachmittag ist sie dann mit mir nach Nahariyya gefahren, wo wir gemeinsam mit ihrer Familie gegessen haben. Es war dank Deborah ein wirklich toller Tag.
Am Abend bin ich mit dem Zug wieder Richtung Tel Aviv zu meiner Tante und meinem Onkel, Barbara und Raphi, gefahren.
Dort habe ich die letzten Tage verbracht. Da hab ich mich auch nochmal mit Stefan, der in Tel Aviv Gedenkdienst macht, getroffen.
Es war eine wunderschöne Reise! Ich hoffe, bald wieder nach Israel zurückzukommen.
Alles was du erzählst weckt bei mir viele Erinnerungen. Ich möchte auch gleich wieder nach Israel reisen. Am liebsten würde ich einmal eine Weile dort leben.
ich war zwar noch nie in israel, deine photos schauen aber cool aus. ist jetzt eigentlich kein widerspruch, ich sags aber trotzdem.